Karl Josef Kassing - Schriftsteller

Rundbrief Nr. 34, Frühjahr 2026                             


Verehrte, nein, Verehrteste,

habt Ihr schon einmal darüber nachgedacht, wie komplex und kompliziert die Sprache ist, die wir täglich wie selbstverständlich benutzen? Davon handelt das neueste Buch aus der Kölner Südstadt ebenso kenntnisreich wie unterhaltsam. Sowohl der Belehrung wie der Unterhaltung dienen auch die eingefügten Witze. Ich bin ein bescheidener Mensch, aber von diesem Buch wage ich zu behaupten: Wer es nicht gelesen hat, kann darüber nicht mitreden! 

Nach dem Neuesten vom Büchermarkt das Neueste vom Fuchs. Kurz vor Ostern (den Kalender hat er im Kopf!) entdeckte ich wieder ein Ei im Garten hinter dem Haus, insgesamt schon das dritte, vermutlich ein Entenei. Ich ließ es auf dem Beet offen liegen, aber am andern Tag lagen nur noch die Schalen auf dem Rasen. Der Bursche hatte wohl Angst, ich würde es essen, und hat es lieber selbst verputzt. Das Unbegreifliche: Er muss schon am Weiher den Entschluss gefasst haben, das aus einem Nest geklaute Ei in meinen Garten zu bringen, hat es dann einen halben Kilometer im Maul durch die Stadt transportiert, ist mit dem Ei im Maul durch den engen Spalt in der Gartentür gesprungen, ohne dass es kaputt ging, hat es bei mir deponiert und hat dann gleich am nächsten Tag auf einem Kontrollgang danach geschaut. Sollte er einmal kommen, wenn ich zufällig auch im Garten bin, werde ich ihn fragen, ob er nicht auch den nächsten Rundbrief selbst schreiben will. Das wäre doch sicher auch für Euch interessant, oder? 

Der Garten selbst macht überwiegend Freude. Ich lasse wachsen, was wachsen will, und greife nur noch ein, wo es notwendig ist. Allerdings wird man auch schon mal enttäuscht. So hatte ich an einer Böschung einen Staudenmohn, der mich im Frühsommer mit prächtigen roten Blüten erfreute. Aber im vergangenen Jahr und auch in diesem keine Spur! In der Böschung hausen Mäuse; offenbar haben die den Wurzelstock gefressen. Jetzt hoffe ich, dass der Fuchs nicht nur Eier bringt, sondern sich auch ein paar Mäuse holt.

In Köln wird jetzt die Frage diskutiert: Olympiade Ja oder Nein? Ich habe nicht mit abgestimmt; wenn es soweit ist, bin ich wohl schon nach Unbekannt verzogen. Dabei war ich in früheren Jahren ausgesprochen sportlich, ich bin sogar einmal beim Köln-Marathon mitgelaufen. Ehrlich! Das war nämlich so: Die Läufer blockierten in endloser Reihe den Ring, als ich ihn gerade überqueren wollte. Ich fädelte mich auf meiner Seite ein und lief mit, steuerte dabei aber die andere Seite an, die ich nach etwa 100 Metern auch erreichte. Ja und? Ich bin mitgelaufen, mehr habe ich auch nicht behauptet.

Nach dem Buch ist vor dem Buch! Jetzt bereiten Verlegerin und Grafikerin, unermüdlich wie sie sind, schon das nächste Buch vor, im Schlepptau einen ollen abgetakelten Autor, den das Schicksal in den Dschungel einer Großstadt verschlagen hat und der im Juni 90 wird. Den Titel des Buches verrate ich schon mal: „Kaleidoskop“. Alles klar? Dann also bis dann! Mit herzlichem Gruß und guten Wünschen

Karl Josef Kassing