Karl Josef Kassing - Schriftsteller

 
Brief Nr. 3 September 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

dieser 3. Brief ließ etwas auf sich warten. Das liegt daran, dass die Zeit um so schneller vergeht, je älter man wird. Und ich bin inzwischen immerhin schon 82. Aber ich plaudere gern brieflich mit Ihnen, zumal meine Schwerhörigkeit telefonische Kontakte erschwert.
Es gibt ja auch einiges Neue. Seit meinem letzten Brief (Mai 2017) haben wir zu Dritt, d. h. Autor, Verlegerin, Graphikerin, nicht weniger als drei neue Bücher herausgebracht: „Na so was!“ (das ist wirklich der Titel!), „Judas, eine kurze Tragödie“, und das Neuste vom Neuen: „RHEINKIESEL und andere Fundsachen in Bild und Wort“. Genauere Vorstellung und Leseprobe zu diesen Büchern: www.fohrmann-verlag.de

Als ich die Edition meiner Gesammelten Werke plante, rechnete ich mit 15 bis 18 Manuskripten. Jetzt sind es 25 + X. Man sieht, die Zusammenarbeit mit den beiden Damen regt mich auf, Pardon, regt mich an wollte ich natürlich sagen. Im Ernst, beides ist mir hilfreich: die Aussicht, das, was ich schreibe, auch zu veröffentlichen, dazu aber auch der Zwang, Termine einzuhalten. Früher konnte ich endlos lange an einem Manuskript basteln. Allerdings strapaziere ich die Geduld von Graphikerin und Verlegerin doch ziemlich, weil ich‚ bis auf den letzten Drücker‘ immer noch etwas zu verbessern finde. Wenn eine von ihnen mir zufällig auf der Straße begegnet, macht sie nach Möglichkeit einen Bogen, damit ich nicht noch irgendeine Änderung vorschlage.
Zugegeben, das war leicht übertrieben. Aber jetzt ehrlich: etwas Geschriebenes noch verbessern zu können gehört zu den Glücksmomenten meines Autorendaseins. Entsprechend leide ich dann aber auch, wenn der Text schon gedruckt ist.

Und der Erfolg? Im Bekanntenkreis werden meine Bücher gelobt. Die breitere Öffentlichkeit hält sich dagegen vornehm zurück.  Das liegt wohl auch daran, dass ich gern die Vielfalt traditioneller literarischen Gattungen nutze, während heute eine weitgehende Monokultur des Romans herrscht. Aber die Form bestimmt auch über den Inhalt mit. Was ich z. B. in einem Märchen oder in einer Verserzählung sage, könnte ich in einer anderen Form nicht gleich wirkungsvoll sagen. Ob meine Sachen gut sind, mögen andere beurteilen. Aber seine Vielseitigkeit, inhaltlich wie formal, zähle ich zu den Merkmalen des Autors Karl Josef ... wie hieß er noch mal? Namen kann ich mir auch immer schlechter merken!

Zum Schluss, was ich auch am Anfang hätte sagen können: herzlichen Dank dafür, dass Sie sich für mich und für unsere (irgendwann mindestens 25) verlegerischen Kinder interessieren.

Tschüs, bis zum nächsten Plausch! Mit herzlichem Gruß


                                                                  Ihr Karl Josef Kassing