Karl Josef Kassing - Schriftsteller

Rundbrief Nr. 22, Frühjahr 2021

Liebe Freundinnen und Freunde echter Briefkultur,

habt Ihr auch schon mal überlegt, wieviele verschiedene Arten von Briefen es gibt? Da gibt es Kontaktbriefe an Bekannte, Liebesbriefe (Ach Schatz, Du fehlst mir so sehr. Ohne Dich kann ich nicht leben!), Geschäftsbriefe, behördliche Schreiben, Leserbriefe, Bettelbriefe, Trostbriefe, Mahnbriefe (Überweisung bitte bis ... auf unten angegebenes Konto), Drohbriefe und andere mehr. Natürlich kann man die verschiedenen Formate auch miteinander kombinieren. Etwa so: „Ach Schatz, Du fehlst mir so sehr. Ohne Dich kann ich nicht leben! Überweisung bitte bis  ... auf unten angegebenes Konto!“

Jetzt also wieder ein Rundbrief. Viele Jahre war das Befinden meiner Frau ein festes Thema. Nun geht es ihr besser, als es ihr jemals vorher ging. Zum Südfriedhof hier in Köln braucht die Bahn zehn Minuten, zu Fuß brauche ich eine gute halbe Stunde. Der Friedhof ist eine großzügige Anlage mit prächtigen Baumgruppen. Das Urnengrab meiner Frau ist auch für mich vorgesehen.

„Doch noch wandle ich auf dem Erdenzelt.“ (Gottfried Keller) Und ich schreibe auch noch unverdrossen. Der „Markus“, den ich im letzten Rundbrief angekündigt hatte, ist (vorläufig) fertig: rund 60 Seiten Übersetzung des Evangeliums (locker gesetzt), 140 Seiten Erläuterung. Es ist verblüffend, was man entdecken kann, wenn man unvoreingenommen liest und fragt. Z. B.: Wie kommen der Einohrige und der Nackte in den Garten Getsemani (Mk 14,47-52)? Das ist zwar nicht wichtig, aber hochinteressant, denn ... Doch ich will niemandem die Spannung nehmen!

Allerdings soll dieses Werk jetzt erst mal eine Zeitlang liegen und reifen. Auch das „Heitere zoologische Lexikon“, das jetzt neu erscheint, hat Jahrzehnte gelegen; ich habe immer mal an den Texten gefeilt. Es ist ja ein starker Kontrast zu meinem letzten Buch über den langen Abschied von meiner Frau. Aber Ernstes und Heiteres ergänzen sich für mein Gefühl wie Komplementärfarben. Darauf weist auch die mitgedruckte Streitschrift hin.

Ein ungelöstes Problem habe ich: Nachts gehe ich oft erst zwischen 2 und 3 ins Bett. Wenn ich am anderen Vormittag wach werde, ist die spannende Frage: Wie spät? Neulich bin ich Punkt 11.11 Uhr wach geworden, das ist in Köln doch eine gute Zeit! Aber wenn dann etwa die Sonne scheint, denke ich: Schade um den schönen Morgen! Wie kann ich es anstellen, dass ich zwischen 2 und 3 ins Bett gehe, 9 Stunden schlafe und doch bis 10 wach bin? Soll ich, bevor ich mich
hinlege, die Uhr 2 Stunden zurückstellen? Was meint Ihr?

Und sonst? Schlecht hören kann ich immer besser! Etwa wenn sich jemand per Telefon anmeldet: „Also ich komme Dienstag um 14 Uhr.“ „Ja, Mittwoch 17 Uhr passt mir gut!“  Post lesen klappt aber noch, auch wenn‘s nur ein kurzer Gruß ist.

In diesem Sinn, ohne Konto-Angabe, aber mit besten Wünschen


Karl Josef Kassing